Jörg Gelbke ist Bildhauer. Seinen plastischen Wortschatz entnimmt er dabei sowohl den bildenden Künsten als auch der Baubranche, der Alchemie sowie der Konzeptkunst. Seine Vorliebe für Gussverfahren und traditionelle Materialien wie Bronze oder Messing geht einher mit einem ausgeprägten Interesse für das Prozesshafte, das Vergängliche und das Zufällige. Der Künstler enthüllt die Schattenseite der verschiedenen Abdrucktechniken, die durch Kontakt und somit « blind » durchgeführt werden. Obwohl sie eigentlich identische Kopien erzeugen sollten, bergen sie stets ein gewisses Maß an Unpräzision in sich. Jörg Gelbke erhöht die Fehlerspanne mit einem „unendlich umkehrbaren“ Spiel von Form und Gegenform. Erste Abgüsse aus zersetztbaren Substanzen (Gelatine, Ton oder Isolierschaum) werden den vier Elementen und der Zeit ausgesetzt, bevor sie in dauerhaften Materialien festgehalten werden. Das Zusammenfügen mehrerer Abdrücke ein und desselben Elements – ein Rohr in der Länge eines Unterarmes für die Arbeit "6-Fuß-Erdsäule", eine Baumwurzel für das "uprooted object" – macht jede Abweichung, zu der die Wiederholung des Prozesses geführt hat, deutlich. Die unebenen und zerklüfteten Formen werden dann dem Körper des Besuchers in geschickt kalkulierten Maßstäben gegenübergestellt und schaffen somit eine starke förmliche und physische Resonanz.

Isabelle Henrion,  sols, murs, felures,   La Kunsthalle Mulhouse, Regionale18, 2017