Die Skulpturen von Jörg Gelbke (*1974) handeln von einer sich überlagernden An- und Abwesenheit von Raum, Zeit und Form. Gelbke führt konkrete Raumsituationen mit bereits vergangenen – mitunter fiktiven – Zuständen zusammen, die er als Abgüsse möglicher räumlicher Strukturen und Zeitverläufe in den Ausstellungsraum einschreibt. Ein aus Wachs gegossener, frei stehender Block zeigt auf der einen Seite den Abdruck eines Kellerfensters, während die vorderseitige Partie die Struktur eines Mauerwerks sichtbar werden lässt – ein solches Gemäuer, wie es an der hinter dem Block liegenden Wand des Galerieraums besteht, doch als Negativform auf einen nicht existenten Zwischenraum verweist. Strukturen beizubehalten, aber durch Zeit bedingte Differenzen im Material sichtbar werden zu lassen, zeigt Gelbkes Umformung zweier Doppel-T-Träger: Die zunächst aus Gelatine gefertigten Abgüsse hatte der Künstler für sechs Monate in Holzkisten in der Erde vergraben, und in der Folge die durch Verwitterung zersetzen Formen mit den ihnen eingeschriebenen Spuren in Stahl rückgegossen.

 

Sculptures by Jörg Gelbke (*1974) deal with the overlapping presence and absence of space, time and form. Gelbke brings together actual spatial situations and past - sometimes fictive - conditions, which he places in the exhibition room as casts of possible spatial structures and temporal processes. A free-standing block cast in wax shows the imprint of a basement window on one side, while on the front side the structure of a wall is visible – the kind of stone wall that is a section of the gallery room behind the block, but as a negative cast, referring to a non-existent interspace. Retaining structures while enabling the visibility of material changes caused by the passage of time is realised in Gelbke´s re-shaping of two double-T-beams. Primary casts were made of the beams and buried in wooden boxes for six months, weathering caused material deterioration, and the beams were recast in iron with these traces.

 

Christina Irrgang, „Passage“, Galerie Meyer Riegger Karlsruhe, 2010